Merkel in Wuppertal: "Der Besuch der alten Dame"

Posted on 23/09/2009 von

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Leider war ich heute nicht dabei, als Merkel ihren Auftritt in Wuppertal hatte. Ich war nur gut 200 Meter entfernt in der Arbeit. Dennoch habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Meine Twitter-Verfolger kennen meine Sprüche dazu bereits. Zum einen wirkt Merkel eher wie eine Oma auf den Wahlplakaten. Ist ja nicht schlimm. Eine Oma, welche durchaus eine königliche Oma sein könnte, ist ja nicht schlecht. Doch ehrlich gesagt, kann mich Oma in Wuppertal gerne besuchen, doch als Bundeskanzlerin will ich keine Oma haben. Die soll mir lieger „Gute-Nacht-Geschichten“ vorlesen. Regieren? Ne.

Als ich dann ab ca. 16 Uhr bemerkte, wie doch extrem viele Menschen in Richtung Rathaus zogen, war ich leicht verwundert. Die Merkl, oder zumindest ihr Amt, scheint Anziehung zu haben. Dabei ist sie doch nur in der Funktion eines Wahlkämpfers ihrer Partei vor Ort. Auch in meiner Pause habe ich schon am Rathaus die Bühne und die Absperrungen gesehen. Es wirkte eher, als wenn ein kleines Pop-Konzert, samt Videoleihnwand, inszeniert wird.

Merkel ein Superstar? Sicher nicht. Sicher wird auch ihre Rede nicht anders laufen, wie der Wahlkampf. Keine großen Angriffe. Nur ein paar Geschichten aus ihren „jungen“ Tagen, um Volksnähe zu zeigen. Dann vielleicht noch sehr ausführlich das, was man mit zwei Sätzen sagen kann. Eigentlich eher ein Wort und ein Satz. „Zusammenhalt“ sowie „Wir haben die Kraft“. Mehr dürfte nicht passieren. Das Wackelbild, welches den aktuellen Spiegel ziert, sagt schon genug. Egal wer sich auf den Kanzlerstuhl setzen wird, mehr ändert sich nicht. Zumindest wenn es wieder eine große Koalition gibt. Wenn es diese gibt, werden wir mit Merkel-Tempo durch weitere 4 Jahre reisen. Also langsam und gemütlich. Der Eisberg ist zwar zu sehen, doch berühren werden wir diesen nicht. Zu langsam, als das man in 4 Jahren darauf stoßen würde. Das werden die Generationen erst später spüren, wenn der Kurs dann doch noch schnell und hart geändert werden muß.

Ich bin für zwei Regierungens-Typen, welche sich nächsten Sonntag kristallisieren sollten. Schwarz-Gelb, weil damit Bewegung entsteht in eine Richtung, die nicht schlecht sein muß. Doch genauso würde mir eine Rot-Rot-Grün Regierung gefallen. Wenn es darum geht, in der Regierung zu sein, sind selbst die „Linken“ praktisch orientiert und tun, was notwendig und realistisch ist. Das hat man im Osten und in Berlin gesehen. Zusammen mit SPD und Grüne wäre das eine Lösung.

Zwei Möglichkeiten, die zumindest besser sind, als eine groe Koalition. Daher sollte jeder nicht nur SPD oder CDU/CSU wählen, sondern auch dafür sorgen das FDP, Grüne oder Linke eine starke Stellung bekommen, je nach Neigung des einzelnen Wählers. Wird CDU und SPD zusammen zu stark, istder Kuschelkurs „große Koalition“ und der nächste langweilige Wahlkampf sicher. Wer will das schon?

Zurück zu Wuppertal. Aus der Ferne hörte ich die Veranstaltung ganz gut. Doch es klang weder nach Politik noch nach Wahlkampf. Es hörte sich eher an als ein Stadion, wo Bayern auch Schalke trifft. Wahlkampf ist was anderes. Inzwischen habe ich erfahren, es soll ein Flash-Mob inszeniert worden sein, wo ein paar hunderte Zuschauer teilnahmen und jeden Satz von Merkel mit einem „Yeah“ quittierten. Wenn es so war, dann war der Auftritt zumindest lustig, wenn schon ohne Inhalt und Kampf.

Und wer verstehen will, was ich mit der Überschrift „Der Besuch der alten Dame“ meine. Also was die Anspielung bedeutet, sollte sich die aktuelle Politik ansehen und das Buch „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt (aus dem Jahr 1956) durchlesen. Da entsteht viel Freiraum zur Interpretation. Ich bin sicher, ihr werdet verstehen, worauf ich anspiele…..

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