Flaschensammler – Mit Pfandgeld etwas mehr Geld haben

Posted on 28/11/2008 von

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Am Anfang waren es nur wenige Menschen, welche auf der Straße, oft bei Festen oder Stadien, welche nach Pfandflaschen suchen um ein paar Euro mehr Geld in der Tasche zu haben. Inzwischen sieht man diese in vielen Zügen, an Bahnhöfen und überall auf der Straße. Belebte Orte werden systematisch durchsucht. Auch Mülltonnen werden durchsucht. Teilweise sind sogar soviele an einem Ort, das schon Revieransprüche gestellt werden, aus Angst, das andere die Pfandflaschen wegnehmen. Im Bahnhof von München geht es sogar soweit, das die Gleise untereinander aufgeteilt werden.

So gesehen hat Einwegpfand etwas Gutes. Menschen, die dringend Geld brauchen, bekommen es von anderen Menschen indirekt, welche es nicht für nötig halten, die Pfandflasche wieder abzugeben. Die Straßen sind nicht nur sauberer, es bekommen auch jede Geld, welche es bitter nötig haben. Allerdings empfinde ich es auch als sehr traurig das es heute soviele Menschen gibt, welche zum Überleben die Tafeln und das Flaschensammeln brauchen.

Das sind Dinge, die ich mir in Deutschland nicht vorstellen konnte. Dinge, welche man eher aus den USA und aus deren Filmen kennt. Doch nix, was je in Deutschland möglich wäre. Menschen, die von Hartz 4 lebn müßen, haben als Single ohne Kinder, umgerechnet nur ca. 50 Euro pro Woche, wenn man Energiekosten, Telefon, Miete u.s.w. abzieht. In den monatlichen Existenzsicherung von ca. 370 Euro ist nicht viel, was zum guten Leben bleibt. Selbst Warmwasser muß davon bezahlt werden.

Es geht mir nicht darum das faule Menschen, welche nicht arbeiten wollen, ein gutes Leben auf Kosten des Staates haben. Mir geht es um Menschen, die meist keine andere Wahl haben, als von Hartz 4 zu leben. Das kann Altersarmut sein, weil die Rente zu gering ist. Es können Menschen mit schweren Krankheiten und Behinderungen sein, oder Menschen, welchen man einfach keine Chance mehr gibt.

Diese müssen, wenn man mal genau rechnet, mit 50 Euro je Woche auskommen. Dazu gehört auch Kleidung anschaffen, Essen kaufen und was zum überleben so nötig ist. Und genau diese Menschen müssen Pfandflaschen sammeln, wenn diese irgendwie noch etwas mehr haben wollen. Sowas empfinde ich als bedrückend. In einem Land, was sich gerade aktuell in der Finanzkrise dafür selber lobt, eine soziale Marktwirtschaft zu haben, empfinde ich sowas nicht gerade als sozial.

Und der Knaller ist, die Grundsicherung beträgt für einen erwachsenen Menschen ca. 370 Euro. Bei Kindern setzt man nur 60% an. Das sind für Kinder (auch Schulkinder) mal eben nur 222 Euro pro Kind. Kleidung ist inbegriffen. Gerade Kinder, die zum einen noch wachsen und zum anderen noch einen natürlichen und höheren Verschleiß an Kleidung haben, bekommen nur 222 Euro im Monat? Und Kinder können nun wirklich nix für die Umstände ihrer Eltern.

Da möchte ich nicht wirklich wissen, wie da Weihnachten gefeiert wird. Vermutlich müssen die Kinder dann auch noch Pfandfalschen sammeln helfen, damit die Eltern noch Weihnachtsgeschenke kaufen können. Ich finde es irgendwie traurig.

Der einzige Vorteil von Hartz 4 ist, das wer arbeiten kann, aber nicht will, bei diesen Umständen schneller bereit ist, einen Job mit geringer Bezahlung anzunehmen. Besser als Hartz 4 wäre es ja. Doch mal ehrlich, zurück bleiben dann die Menschen, die keine andere Wahl haben. Zu deren Lasten geht es dann. Sozial ist das auch nicht in unserer sozialen Marktwirtschaft.

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Posted in: Politik