Richtig stellen! "10. Deutschen Fernsehpreis" und Marcel Reich-Ranicki rastet aus

Posted on 13/10/2008 von

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Der Marcel Reich-Ranicki wird in Deutschland als Literatur-Papst gehandelt. Der Mann, dessen (vermutlich) feuchte Aussprache dazu führte, das deutsche TV-Kameras den Zoom bekommen haben, damit die Linse trocken bleibt. Und ein Meckerkopf, was ihn und seine Parodisten berühmt machte. Nun hat er ja den „Ehrenpreis fürs Lebenswerk“ gestern im TV bekommen. Ein Preis, wie Gottschalk am Donnerstag bei „Schmidt & Pocher“ sagte, welcher verliehen wird, wenn man die Person nicht mehr im Fernsehen sehen will. So gesehen, hat Reich-Ranicki ja für einen großen Abgang gesorgt. Die Schlagzeilen und ersten Seiten heute bei vielen Zeitungen (z.B. WZ oder Bild) zeigen einen trottelig wirkenden Gottschalk mit einem grimmigen Marcel Reich-Ranicki. Dieser sagte gestern: „Bei dem vielen Blödsinn, den ich heute Abend gesehen habe, glaube ich nicht, das ich dazu gehöre. Ich nehme den Preis nicht an!“

Vorsicht vor Ausschnitten:
Doch auch wenn ich den Mann nicht mag. So zeigt die Presse ein falsches Bild. Was Ranicki sagte, war deutlich mehr und seine harten Worte klingen im Kontext seiner gesamten Rede doch etwas anders:

Und ich habe immer gedankt für diese Preise, wie es sich gehört und bitte – verzeihen sie mir, wenn ich offen rede – es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, für die Preise zu danken. Heute bin ich in einer ganz schlimmen Situation. Ich muss auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren und der Intendant Schächter sagte mir: ‚Bitte, bitte, bitte nicht zu hart.‘ Ja, in der Tat. Ich möchte niemanden kränken, niemanden beleidigen oder verletzen. Aber ich möchte auch ganz offen sagen: Ich nehme diesen Preis nicht an!

(Die ganze Rede hier klicken)

Meine Meinung: Ich sag es mal so. Der Marcel Reich-Ranicki ist ein Mann mit stolzen 88 Jahren. Er ist kein einfacher Mensch. Doch er verstellt sich nicht, sondern steht zu dem was er sagt und ist auch kein Heuchler, der sich auf der Bühne artig bedankt und hinter der Bühne die Auszeichnung in den Papierkorb fallen lässt. Er ist ein Mann aus einer Generation, die noch ohne Fernsehen ausgekommen ist und eben Bücher liest. Und wenn ein solcher Mann den Atze Schröder in Paradeuniform, einen Christian Rach, eine Richterin Salesch und so weiter sieht, dann kann man es ihm nicht verübeln, das er seinen Unmut ausdrückt. Seinen wir mal ehrlich. Für hochwertiges Fernsehen stehen nur die wenigsten. Und wenn ich sehe das Sendungen wie „Die Ausreißer – Der Weg zurück“, „Deutschland sucht den Superstar: Die Motto-Shows“ oder „Switch Reloaded“ einen Preis bekommen haben, dann schüttel ich als „gemäßigter“ Zuschauer auch den Kopf.

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