"Lidl lohnt sich." – Eine Kritik zur Kampagne

Posted on 13/10/2008 von

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[meinung]Ein kleines Heft, wo vorne nur das Lidl-Logo und der Spruch „Lidl lohnt sich“ steht, liegt derzeit bei Lidl aus. Ich würde es mal als Propaganda-Magazin bezeichnen. Nach dem lesen dachte ich spontan, ich will den Slogan, welcher auf Bannern an vielen Lidl-Filialen hängt überkleben mit „Lidl belügt mich“. So mein persönlicher Eindruck und warum begründe ich gerne. Im Inneren wird mit schönen Bilder erklärt, warum sich Lidl lohnt. Hier meine persönliche Meinung dazu.

Hier nun die kritische Betrachtung dazu:
Erstmal fällt auf, das ich noch keine Lidl-Filiale gesehen habe, die im Inneren so gut aussieht, wie in diesem Prospekt. Die müssen die Fotos beim Wettbewerb gemacht haben. So auffällig ist es. Doch der Text ist ausschlaggebend. Auch will man mit den Bildern sehr deutlich Frauen und Familien ansprechen. Interessant ist, das viele Rock-Trägerinnen dabei sind und alle so glücklich aussehen. Ich frag mich nur, wo die wirklich waren…..

Die einzelnen Kapitel
Der Kunde ist König oder Königin
Lidl will unser Geld, das ist Lidl wichtig. So steht da, das jeder der 3 Mio Kunden (täglich) wichtig sind, weil diese die Zukunft von Lidl garantieren. Das sagen mir die Banken auch. Und mancher Bankberater gesteht inzwischen, seine Kunden bewusst betrogen zu haben, um den Umsatz zu sichern. Gleichzeitig preist Lidl die „Beste Qualität zum günstigsten Preis“ an. Interessant dabei ist, das Lidl in Tests von „Stiftung Warentest“ oft genug bei Aktionsware nicht sonderlich gut abschneidet. Auch bei frischen Obst und Gemüse haben Stern (und Stern TV) oder Greenpeace immer wieder über starke Pestizid-Verseuchung und weiteres berichtet. Qualität ist da was anderes. Auch schreibt Lidl, das „wenn Zeit Geld ist, hat Lidl was zu verschenken.“ Sprich, damit ich Zeit habe, schenkt mir Lidl Geld? Könnte man meinen, doch es ist anders gedacht, wie man lesen kann. Dort heben diese z.B. die EC-Kartenzahlung besonders hervor. War da nicht ein Verdacht, das Überwachungs-Kameras an den Kassen sind, welche auch die PIN der EC-Karten sichtbar macht? War mal ein Gerücht, doch bevor was bestätigt wurde, wurden ja sämtliche Kameras in den Filialen abmontiert. Auch lustig ist, das Lidl die Sauberkeit, Ordnung und die vollen Regale lobt. Gerade was Ordnung angeht, ist Lidl doch deutlich schlimmer geworden. So manche von mir besuchte Filiale stehen plötzlich Verkaufsflächen mitten im Weg, wo ich im Einkauf bewusst ausgebremst werde. Diese „Verkaufswagen“ verstellen gar Regale mit Ware, wo ich dann mich irgendwie durchquetschen muß. Mit Ordnung hat es nix zu tun, sondern mit Verkaufspsychologie im Einzelhandel.

„Arbeiten, um zu leben“
In diesem Kapitel wird ausführlich erklärt, warum es so schön ist, das man bei Lidl arbeiten darf. Man, wenn ich das so lese, könnte man den Eindruck haben, man lebt im Himmel. Ich lese Dinge wie „fair und respektvoll miteinander“ oder „übertarifliche Bezahlung“, „achten und fördern uns gegenseitig“. Und da machte ich mal Stop. Fair und Respektvoll ist mir unglaubwürdig. Doch das man auf sich gegenseitig achtet und fördert, passt ja wieder mit der Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung, die Lidl angeblich laut Stern gemacht hat. Dafür mußte Lidl vor kurzem auch eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen. Ob ein Job bei Lidl sicher ist und ob man übertariflich zahlt, will ich nicht beurteilen. Doch die Lidl-Mitarbeiter lächeln, und es kostet nix. SO will es mir zumindest das Prospekt sagen. Daneben direkt eine sehr ansprechende junge und blonde Frau. Die seriöse Versicherungsfrau von Lidl, wenn ich das mal so sagen darf. Klasse Foto, doch in der Realität sehe ich nur selten die Mitarbeiter lachen. Es sind eher Blicke wie „Sprich mich an und ich hau Dir in die Fresse“. Ich gebe zu, zumindest in der Filiale in Vohwinkel, wo man mich ja inzwischen gut kennt, bekomme ich oft auch ein Lächeln, von ein paar wenigen Mitarbeiterinnen. Das passt aber nicht zu einer so allgemeinen Aussage, wie in diesem Propaganda-Magazin. Das Prospekt lässt erwarten das gute Laune-Mitarbeiter ein fröhliches Hallo singen und mich fragen wie es mir geht und ob man mir nicht so aus Menschlichkeit einfach mal noch 10% Rabatt geben darf. Einfach weil die Mitarbeiterin bei Lidl heute so super glücklich ist, in einem so wunderschönen Unternehmen so respektvoll bespitzelt zu werden.

Kapitel „Eine gute Partnerschaft beruht auf Respekt“
Da stehen so tolle Dinge, wie gut die Partnerschaft zwischen den Zulieferern von Lidl und dem Konzern selber ist. Sätze wie „Zusammenwachsen heißt auch zusammen wachsen.“ kann man lesen. Man lobt sich hier selber, weil man klare Absprachen macht, diese auch einhält und neben dem partnerschaftlichen Handeln auch noch alle Zusagen einhält. Eigentlich etwas selbstverständliches, aber nicht für Lidl, sonst würde man es nicht so hervorheben. Es wird natürlich nicht erwähnt, welchen Preisdruck der Lidl auf seine Partner ausübt. Es wird nicht erwähnt, das z.B. ein Industriebäcker mit seinen Angestellten wie mit Sklaven umgeht, wie ein Enthüllungs-Journalist anfang des Jahres im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zeigte und am eigenen Leib erlebte. Was der Industriebäcker aber machen muß um noch irgendwie etwas Geld mit Lidl zu verdienen. Sowas wird natürlich nicht gezeigt.

Kapitel: „Verantwortungsvoll zu handeln, kann mit einem Einkauf beginnen.“
Spontan gebe ich der Aussage Recht. Doch das muß ja nicht bei Lidl sein. Zwar lobt sich Lidl, weil diese Waren von „Fairglobe“ (fair gehandelte Produkte), „MSC“ (Fisch aus nachhaltiger Fischerei) anbietet, sondern das auch Stiftung-Warentest wie auch Öko-Test gelegentlich Produkte von Lidl positiv bewertet. Doch das ist ja auch nur ein sehr kleiner Teil vom Lidl-Sortiment. Das Lidl auch öfters mal schlecht abschneidet oder das Produkte von Wettbewerbern bei Stiftung Warentest bzw. Öko-Test sogar besser abschneiden, wird nicht erwähnt. Hinzu kommt der sehr deutliche Verdacht, welche SternTV dieses Jahr veröffentlichte, das Greenpeace indirekt gekauft wird, indem Lidl massenhaft deren Fachblatt kauft und fast vollständig wieder in den Altpapier schmeißt.

Fazit: Der unkritische Kunde wird das Propaganda-Heft überzeugen. Mich allerdings nicht. Ich bin Stammkunde bei Lidl. Ich komme mit einigen Mitarbeitern in meiner Stamm-Filiale sehr gut zurecht und bin insgesamt ein zufriedener Kunde. Doch dieses Heft, welches ich hier zerlegt habe, sorgt bei mir für Unmut. Ja, ich hab das Gefühl, das der Spruch „Lidl belügt mich“ besser passt als „Lidl lohnt sich“. Und ich möchte hier kein Rufmord betreiben, aber ich habe eine persönliche Meinung. Es gibt bei Lidl zwei Welten. Die rosa Wolke im Management und die Realität an der Basis.

Update:
Und wenn man diesen Hintergrund sieht, sieht man die aktuellen Werbespots von Lidl etwas kritisch:

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Posted in: Wirtschaft