Sind Blogger wichtig?

Posted on 25/07/2008 von

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Nachdem ich gesehen habe, welche Welle der Spiegel unter den Bloggern ausgelöst hat und insbesondere was so manche geschrieben haben, entsteht bei mir der Eindruck, das der Spiegel mehr recht hat, als ich dachte. Ich möchte das alles aber auch von einer anderen Seite betrachten. Sind Blogger wichtig? Haben Blogger eine Macht? Sind Blogger für die Gesellschaft überhaupt bedeutsam?

Auch wenn ich selber Blogger bin, möchte ich die Sache aus mehreren Richtungen betrachten und versetze mich auch in die Sichtweise der entsprechenden Richtungen. Mögliche subjektive Sichtweisen bitte ich zu entschuldigen.

Wie Privatleute angefangen haben vor 10 Jahren?
Ich bin seit fast 10 Jahren im Internet aktiv. Ich hab fast sofort meine erste eigene Homepage gehabt. Inhalte? Vergiss es. Als es langsam Mode wurde, das jeder private Mensch eine eigene oft auch kostenlose Homepage haben konnte, ging es nur darum, überhaupt eine zu besitzen. Schlechte Angewohnheiten wie viel Blinkwerk, geklaute Bilder, viele Banner und kein Inhalt war damals bei den meisten privaten WebSites so in etwa Standard. Viele dieser Homapages kamen auf die Idee, sich als Experten auszugeben. Ja, Webmaster mit schlechter Homepage wollte erklären, wie man eine gute Homepage macht. Andere boten Bilder-Galerien (geklautes Material) und wieder andere haben Script-Schnipsel angeboten, die meist auch irgendwo geklaut wurden. Hauptsache, man konnte sagen, man sei Webmaster. Das klingt, als wenn man im Olymp angekommen ist. Man ist wer, weil man Webmaster ist. Im laufe der Kommerzialisierung kamen Partner-Programme, Bannertauch-Angebote und AdBars und alles, womit man dem Mensch suggerieren konnte, mit der Homepage oder nur mit einer am PC installierten Software könne man Geld verdienen. 20 Pfennig für eine Stunde Werbung? Dafür aber 6 Pfennig je Minute zahlen, um im Internet zu surfen. Mit der Zeit stellte sich bei vielen Dingen heraus, das Betrug dahinter steckt. Auch viele Firmen gingen in die Pleite. Geblieben sind einige wenige private Webmaster, welche wirklich etwas auf die Beine gestellt haben.

Der Homepage-Hype wurde zum Web 2.0-Hype
Irgendwelche Marketing-Typen kamen auf die Idee, das Web 2.0 aufzurufen. Eine neue Zukunft. Inhalte produzieren ist teuer und viele Firmen konnten sich dies nicht leisten. Kaum Werbegelder, kaum Investoren. Doch irgendwie muß man doch mit dem Internet Geld verdienen können. Die Idee war einfach. Wir lassen unsere User die Inhalte erzeugen. Bewertungs-Seiten, Blogs, Videoportale, Podcast. Alles Ergebnisse, die daraus entstanden. Die Firmen, welche die Plattformen anbieten, konnten so umfangreiche Benutzerprofile erstellen, welche eine wichtige Währung sind, weil ein finanzieller Wert der Firma lachhaft ist. Sich selber darstellen. Endlich berühmt werden, einfach nur anderen helfen oder einfach zur Community gehören. Das sind die meisten Beweggründe, warum Menschen bereit sind, kostenlose Inhalte den Firmen zur Verfügung zu stellen. Blogger gehören dazu.

Blogger, auf sich bezogene Schreiberlinge
Der Spiegel sagt das Blogger auf sich selber bezogen sind, unpolitisch, Selbstdarsteller und unprofessionell sind diese sowieso. Stimmt in vielen Fällen wirklich. Blogger sind aus dem Web 2.0 entstanden. Viele schreiben am liebsten über Themen, welche sie selber interessiert. Blogger sind letztlich auch ein Ausschnitt aus einer Gesellschaft. Politik interessiert wenige in der Gesellschaft. Man kann ja eh nix ändern. Blogger sind da nicht besser. Sie sind auch selbstbezogen. Natürlich sind sie das. Viele wollen sich und ihre Interessen einfach selber darstellen. Im Gegensatz zu Newsseiten, schreiben Blogger bevorzugt über Dinge, welche diese selber interessiert. Ein Blog soll Spaß machen und man muß von der Materie, von der man schreibt, letztlich auch Ahnung haben. Politik gehört in vielen Fällen nicht dazu. Blogger sind unprofessionell, was in vielen Fällen der Fall ist. Doch das macht diese eben so liebenswert und glaubwürdig. Derzeit kann man in vielen Fällen davon ausgehen, das wenn ein Blogger sagt das etwas Scheiße ist und es begründet, dann stimmt es meistens auch. Newsseiten oder TV-Sender machen sowas meisten nicht, wenn man befürchtet, so Werbegelder zu verlieren.

Blogger – Wichtig für die Gesellschaft?
Wenn man berücksichtigt das Blogger selber ein Teil der Gesellschaft sind. Sprich, normale Menschen, die einfach nur über ihr Leben oder ihr Hobby berichten, dann sind diese durchaus wichtig für die Gesellschaft. Warum? Blogger sind ein Sprachrohr ihrer Clique. Ein Fan einer Musikgruppe, welche darüber redet, kann für die Fangemeinde der Musikgruppe wertvoll sein. Ein Blogger kann es schaffen, die Fans einer Musikgruppe auf seiner Seite zu vereinen. Und wenn der Blogger gut ist, kann er für seinen Teilbereich auch etwas bewegen. Er kann die Fangemeinde der Musikgruppe Informationen liefern. Kann Freundschaften unter den Lesern aufbauen und manchmal auch die Musikgruppe zum handeln bewegen. Wenn jemand (so wie ich) z.B. im Direktvertrieb tätig war, kann dieser über seine Erfahrungen berichten und der Gesellschaft einen Dienst erweisen, indem er andere, die evtl. darein gehen wollen, schon vorab zeigt, was auf einen zukommt. Man kann warnen. Hat eine bestimmte Technik ein echtes Problem und ein Blogger kennt eine Lösung, kann er den Menschen helfen, die ebenfalls nach eine Lösung suchen.Und so zieht sich das fort. Man muß nicht politisch sein um für eine Gesellschaft wichtig zu sein. Man muß auch nicht für die Masse da sein. Manchmal ist es sogar gut, nur für eine Randgruppe da zu sein. Randgruppen füllen sich oft alleine gelassen. Wenn aber Menschen der Randgruppe, über diese schreiben, dann kann es jeden Einzelnen der Randgruppe helfen. „Ich bin nicht allein.“ Die Qualität vieler Blogs lassen auch zu Wünschen übrig. Diese werden dann entweder irgendwann besser oder geraten in Vergessenheit. So wie die ersten Homepages, die Blinkwerk haben, aber keine Inhalte. Überleben wird, wer gut ist. Und viele Blogger lernen derzeit.

Blogger und die Wirtschaft
Mit dem Erfolg der Blogger, kommt auch die Wirtschaft. Man wittert großes Geld. Man verschickt Blog-Pakete an Blogger, damit diese auf eine WebSite oder ein Produkt aufmerksam machen. Das funktioniert auch meistens sehr gut. Es ist keine Bestechung, sondern Beeinflussung. Die Wirtschaft bezahlt auch Blogger, welche über ein Produkt positiv schreiben. Und manche Unternehmen starten direkt ihre eigenen Blogs, die als Privatblog getarnt sind. Das alles kann den Ruf der Blogger schädigen. Klare Regeln, wie einen Pressekodex, gibt es bei Blogs nicht. Es liegt an jedem Blog selbst, wie er mit der Wirtschaft umgeht. Und jeder Leser muß selber lernen und beurteilen, was glaubwürdig ist. Die Wirtschaft nimmt auch Einfluss auf alle Medien. Manche Berichte in Zeitungen, Fernsehen, kommerziellen Internetseiten werden auch von der Industrie bezahlt um ein positives Umfeld zu schaffen. Die Gesellschaft glaubt nicht alles, was im Fernsehen gezeigt wird. Bei Blogs wird es irgendwann genauso sein. Es liegt aber an jedem Blog selbst, was er für seine Seriosität und Glaubwürdigkeit macht. Eines sollte sich nur jeder Blog bewusst machen. Ist einmal die Glaubwürdigkeit verspielt, dann kommt man kaum noch auf die Beine. Das dicke Werbebudget einer Telekom oder Siemens, hat der Blogger i.d.R. nicht. Blogger sind aber so beeinflussbar wie jeder Mensch in der Gesellschaft, weil er ist ein Teil der Gesellschaft. Doch ein Blog hat einen Vorteil.

Sind Blogger glaubwürdiger als andere Medien?
Blogger sind unprofessionell, das stimmt sehr oft. Doch Blogger sind meist unabhängiger, weil diese nicht am Tropf der Werbung hängen. Man muß nicht die Gefälligkeiten leisten, wie es z.B. das Fernsehen macht. Ich habe z.B. erfahren, das n-tv gegenüber der Wirtschaft sehr klar sagt, das n-tv niemals schlecht über ein Unternehmen redet, wenn es in der Öffentlichkeit keine negativen Schlagzeilen gibt. Bedeutet das, das n-tv letztlich selbst entdeckte Skandale verschweigen würde? Ich denke ja. Ist auch kein Wunder, die Wirtschaft bezahlt über Werbegelder diesen Sender. Ein Blog finanziert sich zwar auch oft über Werbung, aber man kann es verkraften, wenn man ein Anbieter der vielen PartnerProgramme verliert. Im Internet gibt es viele Anbieter, die nur darauf warten, das sich jemand für das Partner-Programm interessiert. Viele Blogger sind auch gerade raus und sagen ihre Meinung. Das ist in Ordnung. Weil es gut ist das ein Mensch eine Meinung hat und den Mut hat, es gerade raus zu sagen. Alles andere wäre ja schon fast verlogen.

Darum bereichern Blogs das Internet
Viele Themen werden von kommerziellen Angeboten nicht aufgegriffen. Berichte über einen kleinen Stadtteil, einer kleinen Ticket-Zentrale kann man in Blogs finden, aber nicht in kommerziellen Angeboten. Auch der Spiegel braucht ein Massenpublikum. Doch die Gesellschaft zersplittert zunehmend. Die Masse ist kaum noch zu erreichen. Das macht der Bild-Zeitung genauso wie dem Spiegel massive Probleme. Themen, welche die Masse nicht erreichen, werden daher auch nicht geschrieben. Blogger können hier eine Ergänzung für die Gesellschaft sein. Manche Städte haben gar ein Meinungs-Monopol. Nehmen wir mal Wuppertal. Die einzige lokale Zeitung in Wuppertal ist die WZ. Dazu die zweimal wöchentlich erscheinende Rundschau und unser Lokalradio Wuppertal. Alles kommt aus einem Medienkonzern. Und wenn der Boss ganz oben sagt, so ist meine Meinung und die will ich verbreiten, dann wird dies auch getan. Davon kann man ausgehen. Viele Blogger in Wuppertal haben da die Möglichkeit, eingreifen zu können und eine Meinungsvielfalt über das Internet zu schaffen. Alles Dinge, warum Blogs das Internet bereichern.

Blogger müssen lernen
Die Szene der Blogger ist in Deutschland noch relativ jung und klein. Viele haben angefangen und inzwischen auch wieder aufgehört. Viele Blogger haben gute Ideen und Vorsätze. Doch die wenigsten haben eine journalistische Ausbildung, die ja bekanntlich über einige Jahre geht. Daher werden alle Blogger, die noch lange bleiben wollen, mit der Zeit lernen, wie man schreibt, wie man gute Recherche macht. Und wie die deutsche Rechtschreibung funktioniert. Noch haben die großen Zeitungen, Magazine und Online-Angebote (Spiegel Online) aber auch das Fernsehen etwas Zeit. Noch haben diese die Macht über die Meinung. Doch ist der Lernprozess erstmal beendet, können Blogger die Meinungsmacht der wenigen Konzerne durch die Meinungsmacht der Gesellschaft ablösen. Ein Stück mehr Demokratie holt sich die Gesellschaft durch die Blogger zurück. Davor haben alle Medien Angst. Sehr große Angst. Und damit sind die Blogger auch sehr politisch, bereits heute.

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