Kritische Gedanken: Barack Obama in Berlin

Posted on 22/07/2008 von

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In Deutschland hat Barack Obama ein sehr hohes Ansehen. Die sehr heißen Vorwahlen waren in Deutschland so extrem Präsent, als würde der US-Wahlkampf in Deutschland und nicht in den USA stattfinden. Eigentlich kein Wunder. Trotz einiger Kritik an die USA selber, lieben die Deutschen die USA. Und jeder in Deutschland weiß auch das George W. Bush als US-Präsident viel Leid und unverständliche Entscheidungen verursacht hat, was man dem derzeitigen Präsidenten anlasten kann, aber nicht den gesamten USA.

Nun also kommt Barack Obama als Wahlkämpfer nach Deutschland. Und er betreibt am Donnerstag an der Siegessäule intensiv Wahlkampf in Deutschland. Sein Besuch soll wohl den Amerikanern zu Hause zeigen, das er auch die Außenpolitik beherrscht und er den Wechsel und seine Botschaft auch im Ausland unter Jubel verbreiten kann.

Und er will sich wohl damit in einer Reihe zu John F Kennedy, Ronald Reagan und Bill Clinton stellen. Kein dummer Gedanke. Gerade JFK und Bill Clinton sind in den USA wie auch in Deutschland sehr beliebt. Und in Berlin sowieso. Die Wahrscheinlichkeit, das der Plan von Obama aufgehen wird, ist sehr hoch.

Deutschland als Wahlkämpfer für einen US-Präsidentschaftskandidat dürfte so ziemlich einmalig sein. Auch wenn Merkel und Steinmeyer ihre Grabenkämpfe auch hier ausgetragen haben und eher für Irritation als für Verständnis gesorgt haben. Deutschland hilft so aktiv im US-Wahlkampf, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ob wir davon später profitieren werden? Oder sollten wir gar dankbar dafür sein, das wir das einzige Land in Europa sind, wo Barack Obama zu Besuch sein wird?

Das die alte US-Regierung abgelöst werden muss, ist klar. Profitieren wird davon die ganze Welt. Doch das passiert eh, weil George W. Bush eh nicht mehr gewählt werden kann. Die Politik in den USA wird sehr stark vom Präsidenten gesteuert, unabhängig in welcher Partei dieser ist. Die Tendenz der Politik kann man nur anhand der Partei erahnen. Ein Unterschied zu Deutschland. In Deutschland ist es eher so das die Regierungsparteien die Richtung vorgeben. Das ist zwar alles nicht ganz präzise ausgedrückt, aber genauere Erklärungen würden hier auch den Rahmen sprengen.

Doch wie wird Deutschland davon Profitieren, Barack Obama beim Wahlkampf zu unterstützen? Was haben wir davon? Bisher liefert er doch nur Hoffnung, Optimismus und verspricht einen Wechsel. Wer weiß schon wofür der mögliche Präsident steht? Und angenommen, Barack Obama wird nicht Präsident, wird dies Deutschland schaden?

Das Obama nach Deutschland kommt, verstehe ich als ein Zeichen dafür, das unser Land als Zentrum von Europa mit entsprechend viel Einfluss, ein wichtiges Land für Obama ist. Das bedeutet aber auch das Obama uns in die Pflicht nehmen wird, wenn er Präsident wird. Und die Pflicht wird uns nicht immer schmecken. Stichwort Irak und Afghanistan. Wir können davon ausgehen das Obama dafür kämpfen wird, das unsere Soldaten in deutlich gefährlichere Einsätze gehen sollen. Und unsere derzeit sehr schwache Regierung dürfte kaum ein Mittel haben, den Druck zu widerstehen. Wir können davon ausgehen das Obama ähnlich handeln wird wie George W. Bush, allerdings mit mehr Geschick und weniger Holzhammer. Obama will in den USA den Wechsel in eine neue Politik. Und als US-Präsident ist er allein für sein Land verantwortlich. Und letztlich wird Obama von den Bürgern der USA und nicht von Deutschland gewählt.

Das heißt auch, das er seinen Bürgern demonstrieren will, das es in seinem Land mit ihm besser wird. Die Verpflichtung, die Trümmer im IRAK zu beseitigen, hat er dennoch. Es wäre falsch, sofort alle US-Soldaten aus den Irak zu holen. Irak würde untergehen. Also muß er Partnerländer wie Deutschland aktivieren und dafür sorgen das deren Soldaten die US-Soldaten so weit es geht, ersetzen. Sein Land wird ihn dafür bejubeln. Und wir Deutschen werden es nicht gut finden, aber mitziehen. Warum? Wir sind Partner und Partner helfen sich gegenseitig.

Im Gegensatz zu George W. Bush wird Obama sein Motto einsetzen. Er wird argumentieren das wir helfen sollen, den Frieden zu schaffen. Bush sprach von Krieg gegen den Terror. Beides führt zum gleichen Ergebnis. Soldaten im Irak. Doch Frieden schaffen klingt besser.

Ich bin auch seit gut zwei Jahren ein Fan von Barack Obama und hoffe das er es schaffen wird. Ich bin überzeugt das die Welt etwas ruhiger wird, mit diesem möglichen Präsidenten. Mir ist aber nicht gut bei dem Gedanken, das wir in die Pflicht genommen werden. Auch, weil unsere Regierung so schwach ist. Uns fehlt ein Gerhard Schröder, der sich allem widersetzt und standhaft bleibt.

Wir erinnern uns. Als Bush in den Krieg gegangen ist, hat Bundeskanzler Schröder ein deutliches NEIN abgegeben und Hilfe verweigert. Und Schröder war es egal, das wir uns damit den Unmut in vielen Teilen Europas und in den USA eingefangen haben. Ob Merkel diese Stärke auch hat?

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Posted in: Politik