Wenn ich tot bin, was bleibt dann noch von mir?

Posted on 19/07/2008 von

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Die Angst, irgendwann zu sterben, trägt fast jeder Mensch mit sich herum. Genauso wie die Trauer der Angehörigen, ist die Angst vor dem Tod eine egoistische Einstellung. Die Trauer liegt doch darin begründet, das der trauernde Mensch traurig darüber ist, das ihm in Zukunft etwas fehlen wird, was sein Leben bereichert hat.

Ein Mensch, der Angst vor dem Tod hat, hat doch nur deshalb die Angst, weil er gerne noch viele Dinge erleben will. Die Kinder aufwachsen sehen, tolle Erlebnisse mit der Liebe oder Ziele, die er noch erreichen will, bevor er (der Mensch) stirbt. So ist es ja kein Wunder, das man manche ältere Menschen sagen hört: „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe alles erlebt und alles erreicht. Nun kann ich gehen.“ Und so ist es auch kein Wunder, das Menschen Selbstmord begehen, die einfach kaum daran glauben, das ihr Leben noch etwas bieten kann, außer Angst, Probleme und Sorgen. Ja, auch der Selbstmord ist ein egoistischer Akt.

Der Glaube an Gott beruht daher auch darauf, das der Mensch sich damit tröstet, das sein Leben auf der Erde nur der Anfang war und nach dem Tod ein neues und vielleicht schöneres Leben kommt. Ja, ich verschwinde nicht, sondern steige auf in eine andere Ebene der Existenz. Diese Hoffnung gepaart mit Ereignissen, welche sich Menschen früher nicht erklären konnten, führten irgendwo zu dem Glauben an Gott und der Bibel.

Da der Mensch die Hoffnung braucht, um Leben zu können, ist der Glaube an Gott an sich auch nicht weiter schlimm. Leider wurde der Glaube jedoch von skrupellosen Menschen missbraucht. Ob es nun die katholische Kirche im Mittelalter ist, oder andere Religionsgemeinschaften heute. Die Religion und der Glaube an Gott wurde schon oft genug missbraucht um Kriege zu rechtfertigen. Doch das ist ein anderes Thema.

Ich sehe es sehr trocken und realistisch. Wenn ich gestorben bin, dann wird von mir nix bleiben. ich werde verschrottet wie eine ausgediente Maschine. Menschen, die mich mögen, werden den Verlust irgendwann überwinden und dann weiter ihr Leben leben.

Doch ich bin auch durchaus egoistisch und möchte, das nach meinem Tod noch etwas von mir bleiben wird. Ich möchte den Menschen positiv in Erinnerung bleiben. Ich möchte nicht vergessen werden. Der wahre Tod ist doch nicht der, wo der Mensch stirbt. Der wahre Tod eines Menschen ist, wenn er vergessen wird. Man sieht es doch an Elvis Presley. Es gibt noch heute Menschen, welche behaupten, das Elvis lebt. Und diesen gebe ich schlicht recht. Elvis lebt, weil er bis heute nicht vergessen wurde, sondern noch so geliebt wird, wie zu seinen Lebzeiten. Und er lebt sogar in Generationen, welche ihn nie persönlich erleben konnten.

Mir fällt da der Song von Ich + Ich ein. Da geht ein Teil des Liedes so: „Wenn ich tot bin, was bleibt dann noch von mir?“ Dieser Song berührt mich sehr intensiv aus sehr vielen Gründen. Letztlich hab ich mir dann selber auch die Frage gestellt. Angenommen, ich würde heute sterben, was würde von mir bleiben?

Was ich hier im Internet mache, wird schnell vergessen sein. Das Internet ist so schnell, das ein Jahr nach meinem Tod vermutlich nur noch Cache-Daten von mir in Google übrig bleiben. Und die wird keiner finden, weil keiner nach mir suchen wird.

Meine Familie wird vermutlich lange trauern und mich in Erinnerung behalten als einen guten Menschen, der viel Pech im Leben hatte und einige komische Eigenarten hatte. Und schnell werden die negativen Erinnerungen verschwinden. Dafür wird man sich wohl gerne an viele positive Dinge erinnern wollen. Man wird mich wohl als jemand in Erinnerung behalten, welcher trotz massiver Probleme, auch immer noch Hoffnung hatte und optimistisch ist und einfach versucht, auch unter schwierigen Umständen, noch gut leben zu können.

Doch was wird sonst noch von mir bleiben? Vermutlich verärgerte Gläubiger, welche sagen werden: „Mist, er ist gestorben, bevor er seine Schulden bei mir beglichen hat.“ Und danach wird die Abschreibung in der Buchhaltung gemacht und die Sache ist erledigt.

Sicher wird es auch Leser und Blogger geben, die mich vermissen werden und zwar mich als Mensch, so wie ich mich hier zeige.

Doch der Mensch stirbt auch auf eine andere Art. Selbst wenn der Mensch noch lebt, kann er ein Stück sterben. Immer dann, wenn man vergessen wird. Nein, ich meine da nicht Geburtstage. Ich meine, richtig vergessen. Wenn Menschen, die einen geliebt haben, diesen Menschen verlassen und vergessen wollen. Oder wenn man sich auseinander lebt und sich aus den Augen verliert. Ja, auch dann stirbt man ein Stück.

Ich denke, ich spreche für viele Menschen, wenn ich behaupte, das man mehr Angst hat, irgendwann vergessen zu werden. Ja, vergessen werden ist vielleicht sogar schlimmer als körperlich zu sterben.

Wenn die Kirche sagt: „Der Mensch ist von uns gegangen, aber seine Seele lebt weiter.“ Dann ist doch wohl damit gemeint, das der Mensch in der Erinnerung weiter leben wird. Zumindest solange, bis man vergessen wurde. Ein schleichender tot also.

Und dann stellt sich doch die Frage: Was hab ich zu Lebzeiten getan, damit ich unvergessen bleibe? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Ganz viele werden darauf keine klare Antwort finden. Und wenn ich auf mein Leben zurück blicke, dann weiß ich es auch bei mir nicht.

Vielleicht werden sich Menschen daran erinnern, das ich ihnen in sehr schwierigen Lebenslagen auf die eine oder andere Art beigestanden habe. Wenn ich das geschafft habe, bleibe ich positiv in Erinnerung und bin unsterblich für diese Menschen. Zwar ist das auch ein egoistischer Gedanke, aber er hat letztlich dazu geführt, anderen Menschen etwas Gutes getan zu haben.

Wenn ich tot bin, was bleibt dann noch von mir? Eine Frage, die mich durchaus beschäftigt. Doch bis ich tot bin, wird hoffentlich noch viel Zeit vergehen.

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Posted in: u.s.w.