Olympiade 2008 in Peking – 2012 im Iran oder Libanon?

Posted on 28/06/2008 von

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Für mich steht bereits fest. Über die Sommer-Olympiade 2008 in China werde ich nicht schreiben, außer evtl. den politischen Aspekt. Und ich werde diese auch nicht gucken. Die Eröffnung wäre da die Ausnahme, weil ich schon wissen will, wie sich China offiziell präsentieren will und ob da doch noch Zwischenfälle passieren (was eher unwahrscheinlich ist).

Zwar hab ich noch nie intensiv die Spiele gesehen, jedoch immer wieder angemacht, wenn diese stattgefunden haben. Dieses Jahr verweigere ich mich komplett. Ich möchte als Zuschauer ein Zeichen setzen. Wenn die Quote der Sender massiv in den Keller geht, wäre es ein Symbol und ich würde mir wünschen das am liebsten alle genauso handeln.

Meine Kritik richtet sich direkt an mehrere Stellen. Natürlich direkt an Chinas Politik. Der Umgang mit den Menschen dort. Die Unterdrückung der Pressefreiheit und die Zensur im Internet und natürlich Tibet. Wer sich mal mit der Geschichte von Tibet auseinandergesetzt hat, weiß wie sehr die Menschen dort leiden.

Die Kritik richtet sich auch an das olympische Komitee, was wirklich kein Feingefühl bewiesen hat, als diese China als Spielstätte ausgewählt hatte und auch im Umgang mit den Kritikern nicht gerade feinfühlig war. Da tun sich die Spitzenfunktionäre der deutschen Sportverbände nicht besser. Und so sehr ich die Sportler verstehen, wo die Olympiade ein Höhepunkt der Karriere ist, so ist das Verhalten vieler Sportler auch nicht besser.

Das alles hat so den Eindruck, das alle ihren Vorteil von der Olympiade nutzen wollen, inklusive Wirtschaft, Sponsoren und letztlich Menschenrechte, Pressefreiheit mit Füßen treten. Wenn dieses Jahr die Olympiade in China statt findet, dann kann man diese ja auch in vier Jahren ohne Probleme im Iran oder Libanon stattfinden lassen.

Doch wie kann man nun als normaler Mensch ein Zeichen setzen, das man mit dem allen nicht einverstanden ist?

Die Produkte und Waren der Sponsoren nicht kaufen, wäre Quatsch. Da müßte man gleich alle Produkte meiden, die in China unter menschenverachtenden Verhältnissen produziert werden. Oder anders gesagt, man kann schon fast nix mehr kaufen. Laute Proteste gab es ja schon und auch Demonstrationen. Das hat alles nix gebracht. Wenn aber die Einschaltquote, die heilige Kuh der TV-Sender und Werbewirtschaft, massiv am Boden liegt, dann entsteht plötzlich eine Welle. Das Sponsoring hat sich nicht gelohnt, die zum Teil durch Werbung finanzierte Übertragung steht auf dem Spiel. Die Presse berichtet ganz groß über das Desaster. Und so zieht sich das durch. Gut, damit verhindert man nicht die Olympiade in China. Allerdings dürfte genug Druck entstehen, das die nächste Spielstätte der Olympiade etwas sensibler ausgewählt wird. Das Olympische Komitee wird quasi von Sponsoren und TV-Stationen unter Druck gesetzt. Da Geld bekanntlich die Welt regiert, wäre es eine logische Schlussfolgerung. Das extrem teuere Sponsoring der Spiele lohnt sich nur, weil extrem viele Menschen die Spiele sehen. Die Kosten-Nutzen Rechnung geht dadurch auf. Wenn aber keiner die Spiele beachtet, den haben die Sponsoren enorme Kosten ohne Nutzen.

Allerdings müssten extrem viele Menschen so handeln und Deutschland alleine würde wohl nicht viel erreichen. Deutschland würde aber weltweit ein Zeichen setzen.

Doch ich schätze, das ich wohl eine Minderheit bin, die weder über die Olympiade berichten wird noch gucken will. Oder?

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