Lizenzen und Verwirrungen beim Fernsehen

Posted on 21/06/2008 von

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Das deutsche Fernsehen und insbesondere das Privatfernsehen übernimmt gerne Sendungen aus dem Ausland, was dort bereits erprobt und erfolgreich ist. Meist finden sich dann Anpassungen auf den vermeintlich deutschen Geschmack. Und gerade was Shows angeht, ist dies auch durchaus berechtigt. So sind Erfolge oder Kult-Sendungen aus Deutschland oft eine Kopie eines Originals. Dazu gehören Klassiker wie „RTL Samstag Nacht“ (Original von NBC Saturday Night Live) oder „Tutti Frutti“ (Original aus Italien) oder auch aktuelle Sendungen wie Stromberg (BBC „The Office“) oder eben „Elton vs. Simon“ („Kenny vs. Spenny“). Auch Supertalent, Superstar oder Topmodel sind Produktionen, deren Ideen aus dem Ausland kommen. Manchmal versucht man auch 100% Kopien zu machen, wie es RTL früher erfolglos versuchte mit „Eine schrecklich nette Familie“, welche in Deutschland neu produziert und erfolglos ausgestrahlt wurde. Das Original ist noch heute sehr beliebt. Dagegen war die Lizenz für „Wer wird Millionär?“ ein voller Erfolg, was aber auch sehr stark an Günther Jauch liegt. In keinem Land läuft dieses Format schon so lange und erfolgreich, wie bei uns.

Oft genug passiert es aber, das Formate ohne Lizenz kopiert werden. Man nimmt ein paar Änderungen vor und man gibt maximal zu, das man von ausländischen Formaten inspiriert wurde. Heftiger wird es, wenn gleiche Formate innerhalb von Deutschland untereinander kopiert und abgewandelt werden. Kein Wunder das es soviele Musical-Castingsshows gab, die nebenbei, aller erfolglos blieben.

Da sich auch die Sender gerne mal bedeckt halten, wenn es darum geht, woher eine Idee kommt oder ob die Sendung eine Eigenentwicklung ist, kommen durchaus Spekulationen auf. So hat Quotenmeter mal ganz tief ins Fettnäpfchen getreten, als diese behauptet haben das Pro7 für „Simon vs. Elton“ sowie „Stromberg“ keine Lizenzgebühren zahlen würden. Pro7 hat das natürlich direkt bemängelt, wodurch Quotenmeter eine Richtigstellung schreiben mußte.

Ob Klau, Abkupfern, Lizenz-Sendung oder Kooperation (z.B. „Top of the Pops“), leider kommt viel zu oft auch nur Mist nach Deutschland. Mir stellt sich die Frage, ob wir in Deutschland nicht genug kreative Menschen haben, welche neue Ideen entwickeln könnten und tolles Fernsehen produzieren können.

Klar ist die Gefahr, einen Flop oder gleich mehrere zu haben, größer als wenn man auf bereits getestete Formate setzt. Auf der anderen Seite kann ein erfolgreiches selbst entwickeltes Format auch eine wahre Geldquelle bedeuten. Die Idee „Schlag den Raab“ oder „Clever – Wissensshow“ sind in Lizenz international verkauft und erfolgreich. Und ein erfolgreiches eigenes Format ist langfristig sogar billiger, weil Lizenzgebühren entfallen.

Schaut man sich die Videoshows von Usern an, welche Ihre Shows in Videoportale einstellen. Guckt man sich so manche Blogger an und welche irren Texte diese schreiben. Schaut man durch das Web 2.0 in die Seele der potenziellen Ideengebern, sollte es doch möglich sein, das wir in Deutschland viel mehr selbstentwickelte TV-Formate bekommen.

Ich kann den TV-Sendern nur empfehlen, sich mal wirklich durch das Web zu bewegen und nicht nur nach Trends suchen, sondern Leute finden, die bei der Entwicklung neuer Formate helfen könnten.

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