Entzugserscheinungen wenn ein Raucher aufhören will- Tag 1

Posted on 29/03/2008 von

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Ja, der erste Tag ohne Rauch ist hart. Bis es dazu kam auch. Aber hier mal das, wie es mir ergeht. Ich rauche jetzt gut 17 Jahre und bin stolz, das ich am Tag nur eine Packung rauche. Gut, es ist nicht mehr die normale Packung (17 Stck), sondern die Big Pack (24 Stck), doch eben nur eine Packung. Andere rauchen ja noch viel mehr pro Tag. Und natürlich kann ich jederzeit aufhören, weil rauchen ist bei mir nur ein Genuss, eine Leidenschaft. Nein, es ist sogar ein Luxus, den ich mir gönnen will. Wie sonst kann man so elegant, cool und abenteuerlich 5 Euro am Tag verbrennen? Der Duft von Luxus liegt um mich herum, wenn mal wieder eine Packung aufgemacht wird und ich mir eine Zigarette anzünde.

Natürlich kann ich aufhören. Ist doch kein Problem. Klar, es wird nicht einfach, weil ich habe ja meine Rituale. Vor dem Essen kochen, vor dem Essen selber und nach dem Essen muß eine Zigarette her. Wenn ich am PC sitze und meine Artikel schreibe, ist die Zigarette ein kreativer Gehilfe. Bei einem tollen Film, wenn ich entspannen will, freue ich mich auch auf eine Fluppe und naja, zum Kaffee gehört die Zigarette dazu. Und wenn ich die kalte Luft einatme, wenn ich das Haus oder den Bus oder das Auto verlasse, dann spendet mir die Zigarette direkt warme angenehme Luft. Natürlich kann ich jederzeit aufhören, weil rauchen ist eine Sucht, aber die kann man ja jederzeit bekämpfen, wenn man will. Ich will nur nicht. Soll ich meine Rituale aufgeben, nur weil die Gesellschaft mich schon schlechter behandelt als Sexualstraftäter? Nein. Da kommt erst Recht Protest in mir hoch.

Wenn die alle so scheiße sind, dann bin ich es auch und mache erst recht und ganz demonstrativ weiter. Und meine Rache an der Deutschen Bahn ist, das ich grundsätzlich jede Raucherzone benutze und meine Zigarette rauche. Nein, nicht im vorgeschriebenen Rahmen, wo es erlaubt ist, sondern genau einen Schritt daneben. Nur um das Personal zu ärgern. Nur um zu zeigen, das ich den Protest in die Öffentlichkeit trage. Ja, auch wir Raucher haben Rechte.

Aber irgendwann komme ich doch darauf das der Luxus zu hoch für mich ist, weil letztlich verbrenne ich im Monat 150-155 Euro nur für Zigaretten. Da kann ich mir ja monatlich einen iPOD kaufen oder alle zwei Monate ein iPhone, nur weil ich aufhöre zu rauchen. Und so starte ich meinen ersten Versuch. Nein, es muß die harte Tour sein. Keine dämlichen Pflaster, welche nur unschöne Flecken hinterlassen. Auch keine 500 Euro Laserbehandlung, Hypnose oder Horrorbücher. Nein, ich hab gestern um ca. 15 Uhr meine letzte Kippe aus meiner Schachtel angemacht und hab danach gesagt. Das war die Letzte.

Und schon machen sich Entzugserscheinungen breit. Gestern Abend war der Drang nach dem Essen besonders hoch. Fertig gekocht und gegessen. Jetzt eine Zigarette und Feierabend. Aber ich hatte ja nix mehr. Tja, also versuche ich mich abzulenken. Aber irgendwo muß ich doch noch Kippen haben. Ich hab doch irgendwo immer eine Reserve. So wie Alkoholiker einige Verstecke für ihren Alkohol haben, so liegen bei mir immer irgendwo Zigaretten als Reserve rum. Aber nix zu machen. Dann kamen mir die West Light in die Finger, die gut 10 Jahre alt sind. Noch Original verpackt und optisch gut erhalten. Wenn ich die öffne, ob die noch schmecken? Ich meine, da ist ja nix dran, oder? Oder vergifte ich mich doch noch? Ne, ich hab die wieder zur Seite gelegt und dachte mir, ich werde es schaffen.

Mit der Zeit werde ich aber doch ungeduldig und suche. Also mache ich mir erstmal was zu trinken. Irgendwie war mir nach Barcadi-Cola. Lecker, gute Musik dazu und ich tanzte in meiner Wohnung. Disco zu Hause ist billig und da nur läuft, was mir gefällt, auch noch richtig gut. Und dazu kommt, das ich mich ablenke. Klar, es ist schon sehr albern, in der eigenen Wohnung zu tanzen, aber ich kann mich ja ablenken. Und genau die Ablenkung brauche ich halt. In der Disco würden ja andere die Bude voll qualmen und ich könnte locker einen Gast um eine Kippe bitten. Nein, also tanze ich zu Hause. Es bringt nur nicht viel. Also suche ich nach Alternativen. Ran an die Süßigkeiten und tatsächlich. Schokolade beruhigt mich. Allerdings ist die Tafel schnell weg und ich bin doch so stolz, das ich relativ schnell über 10 Kilo Gewicht verloren habe. Ok, also weg mit den Süßigkeiten. Ich drehe langsam durch.

Inzwischen liege ich auf der Couch und gucke „Die ultimative Chartshow“. Danach auch SciFi irgendeinen albernen C-Movie, der mich aber gut ablenken kann. Doch ich merke in mir sehr viel Unruhe und eine Stimme, die mir sagt: „Steh auf und gehe zur Tanke. Da bekommst Du Zigaretten. Muß ja kein Big Pack sein. Kannst auch die kleine nehmen, aber hole es. DU brauchst es.“ Und während ich diese Stimme ständig höre, bis um 3:00 Uhr, kurz bevor ich schlafe und während mein Körper ständig ungeduldig wird und in mir ständig ein unzufriedenes Gefühl herrscht, schlafe ich auch ein.

8 Uhr, ich werde wach. SO früh wie selten, zumindest wenn ich ausschlafen kann. 8 Uhr? Ein Witz. Vor 10 Uhr bewegt sich bei mir normal nix. Heute wurde ich so früh wach und spüre sofort, ich brauche jetzt mal eine Zigarette. Dann fällt mir ein, ich habe ja keine. Obwohl, meine 10 Jahre alte Schachtel liegt da. Ich meine die ist 10 Jahre alt, die wird ja nach einem Tag nicht schlechter sein als vorher, oder? Aber der Gedanke ist dann doch eher ekelig. Ich könnte ja aufstehen und mir welche kaufen. Doch wir haben 8 Uhr und jetzt aufstehen? Ich bin doch noch so müde. Und überhaupt, wieso fühle ich mich so nass? Ich muß kräftig geschwitzt haben und überhaupt ist im Bett soviel Unordnung wie selten. Man, was war hier los? Mein Körper muß kräftig gekämpft haben, weil er seine Sucht nicht befriedigen konnte. So vermute ich es. Bin ich wirklich so extrem abhängig?

Nun haben wir 15:40 Uhr und ich schreibe diesen Artikel fertig. Ich habe über 24 Stunden ausgehalten und ständig spüre ich Unruhe und Unzufriedenheit. Die Entzugserscheinungen erinnern mich an jene, die man aus Filmen und Berichten kennt, nur das es da um harte Drogen geht. Irgendwie sehr erschreckend das ich selbige Dinge auf ähnliche Art erlebe, nur weil ich Zigaretten rauche. Ich suche ständig nach Ablenkung, ich will nicht vor die Tür und erst recht nicht an der Kasse stehen, wo natürlich Zigaretten angeboten werden. Und mein ganzer Körper ist leicht am zittern, wenn auch nur ganz leicht. Es fühlt sich zumindest so an, weil ich sehe kein Zittern.

Und ich spüre großen Hunger, als wenn ich nix gegessen hätte. Hab ich aber und trotzdem schreit mein Körper. Ich weiß was er will, aber ich weigere mich. Luxus ist nicht angesagt. Die 5 Euro am Tag will ich sparen. Ich mache mir keine Illusion. Der erste intensivere Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, schlägt oft fehl. Rückschläge sind normal, aber ich versuche es dennoch. Ich bin gespannt, ob ich es schaffe und ich halte Euch auf den Laufenden, wenn Ihr wollt.

Eines ist klar. Ich will versuchen, jeden Tag die 5 Euro, welche ich verrauche, stattdessen in ein Glas stecken und nach einem Monat etwas als Belohnung kaufen. Eine Belohnung dafür, das der erste Monat erreicht ist. Das ist doch mal ein Ziel, oder?

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