Kommentar: Schließung von Nokia Bochum – Profilierung der Politiker

Posted on 17/01/2008 von

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Da haben die Politiker etwas von Gerhard Schröder gelernt. Wenn man sich positiv bei den Wählern ins Gespräch bringen will, muß man den Arbeitnehmern bei Werksschließungen zur Seite stehen. So verhält sich auch der NRW-Landesvater Rüttgers im aktuellen Fall Nokia Bochum.

Doch wir sollten uns zuvor errinnern an Schröder. Mit viel Theater hat der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder kurz vor Weihnachten dem Bauunternehmen Holzmann geholfen, damit tausende Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die meisten Mitglieder der Presse und die Mehrheit der Deutschen haben den Erfolg gefeiert und Gerhard Schröder hat bei der PR in eigener Sache, beste Arbeit geleistet. Das gut 2,5 Jahre später die Firma dennoch geschlossen wurde und das der Staat unglaublich viele Mittel mehr oder weniger in den Sand gesetzt hat, ging überwiegend unter.

Der Fall Nokia liegt allerdings etwas anders. Nokia wurde mit Subventionen nach Bochum gelockt und war verpflichtet, bis 2007 die Arbeitsplätze zu halten. Die Frist ist abgelaufen und Nokia geht von Bochum weg, weil es woanders (Rumänien) billiger ist. Ein Verhalten, was man von vielen deutschen Bürgern kennt, die allgemein als Schnäppchenjäger bekannt sind. Und es sollte allgemein bekannt sein, das Schnäppchenjäger nur zu Stammkunden werden, wenn es ständig Schnäppchen gibt. Wenn nicht, geht der Schnäppchenjäger halt woanders hin. Dem Bürger macht man da keine Vorwürfe. Einem Unternehmen wie Nokia schon? Gerecht ist dies nicht. Wer mit Subventionen lockt, muß auch damit rechnen, das Schnäppchenjäger Nokia wieder geht, wenn die Subventionen (Schnäppchen) nicht mehr da sind. Die Bundesregierung wie auch die NRW-Regierung sind irgendwo auch selber Schuld an der Situation.

Doch natürlich wollen diese es öffentlich nicht zugeben und so stellt sich Rüttgers auf die Straße und vermittelt über den Medien, er steht an der Seite der Arbeitnehmer und schimpft extrem über Nokia. An die eigene Nase fasst er sich aber nicht? Er sagt nicht, das Subventionen falsch sind, sondern schimpft medienwirksam über ein Schnäppchenjäger und benutzt unverschämte Begriffe wie „Subventions-Heuschrecke“. Kein Wunder das Nokia nicht bereit ist, mit Rüttgers zu sprechen. Erst wird Nokia ganz böse beschimpft und als Heuschrecke dargestellt und dann soll die Firma Gespräche führen? Ich würde es auch nicht tun.

Die Politiker wissen genau, das diese kaum Möglichkeiten haben, die Unternehmen zum Einlenken zu bringen, wenn diese nicht wollen, aber es wirkt halt immer toll, wenn ein Politiker sich so Volksnahe zeigt.

Aber was hilft den Arbeitnehmern? Tausende von Nokianern in Bochum droht die Arbeitslosigkeit und nicht wenige werden es schwer haben, einen neuen Job zu finden. Öffentlicher Druck kann zwar helfen, mehr Geld aus Nokia zu pressen, damit der Übergang zur Arbeitslosigkeit einfacher wird. Sogesehen hilft es, wenn Politiker Druck per Medien machen. Auf der anderen Seite, wenn sich jemand zu sehr in die Ecke gedrängt wird, kann es zu Trotzreaktionen kommen. Das ist gefährlich. Ob es den Arbeitnehmern hilft, ist dennoch offen.

Klar, was den Mitarbeitern von Nokia Bochum passiert ist, ist grausam und möchte ich selber nicht erleben. Und natürlich ist es nur zu verständlich, das die Mitarbeiter enttäuscht sind, Zukunftsängste haben und eine starke Wut im Bauch haben. Auf der anderen Seite müssen die Arbeitnehmer und auch Nokia möglichst sachlich an die Sache gehen und auf einer sachlichen Basis eine Möglichkeit finden. Sonst schadet es mehr, als nötig. Profilierungssüchtige Politiker haben da nix zu suchen. Ich drücke den Arbeitnehmern alle Daumen und Finger, die ich habe.

Aber es wäre falsch, ein Unternehmen wie Nokia, das nun einmal in einer relativ schwierigen Branche tätig ist, einen Vorwurf zu machen, wenn es unternehmerisch denkt und Geld einspart, wo es nur geht. Auch wenn Nokia Bochum profitabel ist, so kann es aus unternehmerischer Sicht wichtig sein, noch weiter zu sparen, wenn man langfristig die Firma sichern will. Und eine langfristige Sicherung ist wichtig, weil dann nicht nur „ein paar“ Arbeitnehmer in Bochum, sondern viel mehr Arbeitnehmer weltweit gefährdet wären. Die Subventionspolitik, welche die Politiker betreiben, führen zu den Problemen, die es nun im Fall Nokia Bochum zu sehen sind.

Ob es dennoch moralisch die feine Art ist, die Nokia in Bochum betreibt, steht noch auf einen anderen Blatt. Wobei wir dann aber wieder bei Schnäppchenjägern sind. Wer macht eigentlich den Bürgern einen Vorwurf, das diese bei Aldi die Schnäppchen kaufen und damit den Tante Emma Läden die Lebensgrundlage geraubt haben?

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Posted in: Politik, Wirtschaft