Überdachtes Einkaufszentrum ist ein großer Flop

Posted on 21/08/2007 von

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Als vor ca 20 Jahren das überdachte Einkaufszentrum „Allee-Center“ in Remscheid eröffnete, war es im Bergischem Land eine Sensation. Jeder wollte dahin. Die Vorteile lagen auf der Hand. Egal welches Wetter, ob Regen oder Sonne, ob zu heiß oder zu kalt. Hier kann man gemütlich einkaufen. Ein Center mit vielen Parkplätzen, direkt in der Innenstadt und alle wichtigen Geschäfte waren dabei. Remscheid hatte einen echten Anziehungspunkt im gesamten Umfeld. Egal ob Wuppertaler, Solinger oder aus Radevormwald. Alle kamen nach Remscheid. Das Allee-Center schaffte für Remscheid einen Schub an Kaufkraft. Es war unglaublich.

Heute sehe ich das alles etwas anders. Fast jede größere Stadt hat ein solches Center. Manche, wie Berlin, haben gleich einige dieser Center. Alle sind inzwischen sehr ähnlich aufgebaut. Alle haben eine gewisse Mischung von Geschäften und Gastronomie. Und fast überall sind viele gleiche Geschäfte. Große Konzerne lassen sich besonders gerne dort nieder. So z.B. Metro mit seinen Ketten Kaufhof, Real, Saturn, Media-Markt u.s.w. Douglas mit seiner Parfum-Kette, seinem Hussel-Süßwaren u.s.w. Eine eigene Identität haben diese überdachten Centren kaum noch.

Dafür geht den Innenstädten viel Verloren. Man schaue auf Remscheid. Die Innenstadt spielte sich früher in der Fußgängerzone ab. Heute ist es das Allee-Center und das direkte Umfeld. Geht man vom Allee-Center nur 100 Meter in die Fußgängerzone, wirkt es richtig leer. Große Ketten haben mangels Kundschaft die unteren Bereiche der Fußgängerzone verlassen. Viele kleine Geschäfte sind in den 20 Jahren kaputt gegangen.

Ähnliches spielt sich seit Schaffung der City-Arkaden in Wuppertal wieder. Der Stadtteil Elberfeld hat die City-Arkaden. Ein auf drei Ebenen aufgebautes Center. Auch hier sieht es nicht anders aus als bei den Arkaden am Potsdamer Platz in Berlin oder dem Stern-Center in Potsdam. Nur die Größe der Centren und die damit zur Verfügung stehenden Ladenflächen unterscheiden sich durchaus gravierend.

Und wie sieht es in Wuppertal aus? Die zweite Fußgängerzone in Wuppertal-Barmen ist quasi kaum noch erwähnenswert. Die Fußgängerzone in Wuppertal-Elberfeld hat sehr viele leere Ladenflächen. Viele kleine Geschäfte, die kaum Chancen hatten, dem großen Klotz entsprechende Paroli zu bieten, sind weg. Es kamen viele Handy-Shops, viele 1-Euro Ramschläden. Aktuell kommen dazu die Kredit-Filialen wie „kredit4me“ u.s.w. Die Innenstadt wirkt verwahrlost. Ein Teil der eigentlich attraktiven Innenstadt geht verloren. Sicher, die Arkaden waren eine wichtige Ergänzung für Elberfeld, weil ohne, die Kaufkraft drohte, in andere Städte zu wandern, aber es ist trotzdem keine gute Lösung.

Gerade durch solche Center geht viel Individualität in den Städten verloren. Warum sollte ich ein Shopping-Erlebnis in einer beliebigen Stadt haben, wenn es kein Erlebnis mehr gibt? Wenn sowieso alles irgendwie gleich ist? Die kleinen persönlichen Geschäfte sind ja ausgestorben. Leerstände prägen das Stadtbild. Dadurch schließen weitere Geschäfte. Die Fußgängerzone droht zur Geisterstadt zu werden. Nur die einheitlichen überdachten Einkaufszentren haben überall gut lachen. Während man früher für ein solches Center bevorzugt mit neuen Arbeitsplätzen warb, macht sich heute die Ernüchterung breit. Klar, es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen, aber viele sind auch verloren gegangen.

Wegen den großen Vorteilen, nutze ich die City-Arkaden in Wuppertal auch. Letztlich haben die z.B. einen H&M, wo ich auch Kleidung für mich bekomme und auch der Supermarkt akzenta ist gleich dort im Haus. Aber ich bin auch blind geworden. Ich bekomme nicht mit, was sonst in Elberfeld passiert. Ich habe kaum die Chance, die kleinen Geschäfte zu sehen, da zu kaufen, weil es die nicht mehr gibt. Nicht in den City-Arkaden. Und was ist davor in der Fußgängerzone?

Ich habe mich mal auf den Weg gemacht und es gibt Hoffnung. In Elberfeld besteht die Chance, das die individuelle Innenstadt mit allen Vorteilen und Nachteilen, noch eine gute Chance hat trotz Einkaufszentrum zu überleben. Das im bergischen Land berühmte Hertie-Haus ist abgerissen und ein Neues großes Haus mit Unterhaltung, Gastronomie und Ladenfläche soll entstehen. Das alte „Peek&Cloppenburg“ Gebäude wurde abgerissen und wird durch ein neues und modernes „Peek&Cloppenburg“ ersetzt. Saturn wird aus der obersten Etage vom Kaufhof, in ein eigenes Haus einziehen. Die 1-Euro Shops sind gefühlt weniger geworden. Die vielen leeren Geschäfte, sollen attraktiv wiederbelebt werden. Das inzwischen in die Jahre gekommene Stadtbild mit vielen heruntergekommen Häusern, soll verschönert werden. Und die Stadtfeste wie der „Elberfelder Cocktail“ hat ständig steigende Besucherzahlen. Wenn die Gerüchte stimmen, soll wohl auch der Weihnachtsmarkt wieder richtig fit und interessant gemacht werden. Der Döppersberg, die Zwischenstation zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone wird seinen hässlichen Fußgängertunnel durch einen großen Platz mit großen und kleinen Geschäften tauschen. Es besteht Hoffnung, das Elberfeld etwas gegen die City-Arkaden anbieten kann.

Doch was in Wuppertal passiert, ist oft eher ein Einzelfall. Die meisten Innenstädte haben durch die einheitlichen und somit langweiligen Einkaufszentren und den aussterbenden Innenstädten, kaum etwas zu bieten.

Es gibt bei den Einkaufszentren auch positive Beispiele. Das beste Beispiel ist das Centro in Oberhausen. Das wohl größte seiner Art in Deutschland. Neben tausenden kostenlosen Parkplätzen und dem üblichen Einheitsbrei an Geschäften, gibt es da eine sehr große Auswahl an Gastronomie und Unterhaltung. Veranstaltungshallen mit Weltstars, großes attraktives Kino, eine Fast-Food Ecke die nicht nur Mc Donalds hat, sondern von asiatischen bis bayrischen Gerichten. Von Hot Dog über holländisches Fast-Food bis hin zur Salatbar über asiatische Küche, ist alles da, was Fast-Food bieten kann. Und richtige Restaurants, sehr unterschiedliche Kneipen, Promenade, Musical, SeaLife, Kinder-Freizeitpark, Brauhaus. Alles da. Und nicht nur dies. Selbst kleine skurrile Geschäfte kann man im Centro entdecken. Ob nun T-Shirt Druck, Drachen-Shop oder Cowboy-Laden. Ob SciFi-Geschäft oder ein ungewöhnlicher Spielzeugladen (eher für Jugendliche bis Erwachsene). Die Auswahl ist groß und macht Spaß. Da lohnt es sich, den Weg nach Oberhausen zu fahren. Und die Kaufkraft, die nach Oberhausen kommt, ernährt viele Menschen. Es strömen Menschen selbst aus Holland, direkt nach Oberhausen. Doch auch hier gibt es viele, die leiden. Die alte Innenstadt von Oberhausen hatte große Probleme. Nach langer Zeit haben die aber auch einen Weg gefunden, wieder attraktiv zu sein.

Aber Oberhausen ist eine große Ausnahme. Die Mehrheit der Städte verlieren (nach meiner Meinung) an Attraktivität. Warum sollte ich noch nach Remscheid fahren, wenn ich das Gleiche in Wuppertal habe? Und Spaß beim Shopping habe ich weder in Wuppertal-Elberfeld noch in Remscheid. Will ich einen schönen Abend und Spaß beim Shopping, bin ich im Centro in Oberhausen. Und letztlich habe ich mir damit selber widersprochen. Ich hoffe sehr, das Elberfeld wieder dahin kommt, wo es mal war. Eine Innenstadt, die mir am Tag und in der Nacht Spaß bereitet. Egal ob Shopping oder Unterhaltung.

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Posted in: Remscheid, Wirtschaft