Mein Wetter ist mein Gefühl

Posted on 27/04/2006 von

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Ich sitze hier auf meiner Fensterbank und schaue raus. Es ist etwas dunkel und es regnet stark. Die Regentropfen rollen langsam über das Fenster. Ich schaue durch die Tropfen und der beleuchtete Kirchturm gegenüber sieht wie ein Ei aus. Die Uhr ist nicht mehr rund. Ich habe den Eindruck als wenn die Zeit manchmal etwas schneller läuft, als es eigentlich sein sollte. Ist es nur meine verzerrte Ansicht oder ist es wirklich so? Früher, wo alles noch gut war, ging die Zeit schnell vorbei. Doch heute? Irgendwie dauert eine schlechte Zeit immer länger. Es muß eine andere Wahrnehmung sein, weil laut meinem Tagebuch sind meine guten und schlechten Tage eigentlich relativ ausgeglichen.

Mein Magen schmerzt und genau in diesem Moment kommt ein starker Donner. Der Regen peitscht gegen das Fenster. Aus Tropfen werden Fäden. Wenn ich an meine schöne Zeit denke, denke ich immer auch a meine Freundin. Die Zeit mit ihr war meine schönste Zeit. Selbst an schlechten Tagen gab es auch immer etwas Sonnenschein. Sie war die Sonne in meinem Leben und oft dachte ich das uns nichts erschüttern kann. Als ich keinen Job mehr hatte, stand sie an meiner Seite und hat mir geholfen, den Kampf ums überleben zu meistern. Es hat Jahre gedauert, wo ich keinen Job hatte. Nicht weil ich etwas faul war, sondern weil einfach kein Job für mich da war. Bald 600 Bewerbungen und bald mehr als 900 Euro habe ich ausgegeben. Einen Job habe ich nicht gefunden. Meine Sonne stand zu mir.

Als wenn es nicht schon reichen würde. Zu Blitz und Donner kommt auch noch der Hagel dazu. Der ist so hart, die Kirchturmspitze wird davon bestimmt erschlagen. Mein Herz ist kalt geworden. Heute habe ich einen Job, mir geht es finanziell eigentlich gut, doch ich bin alleine. Gutes Einkommen und Einsamkeit gehören zu meinem Leben. Meine Freundin hat mich verlassen. Ich wäre undankbar und würde sie nicht mehr beachten, das sagte sie zu mir zum Abschied. Gut, durch meinen Hauptberuf und meinem Nebenjob habe ich wirklich kaum noch Zeit für Freizeit. Ich trage meine Schulden ab und alles ist in Ordnung, doch für meine Freudin war kaum noch Zeit da. Sie wollte ja, das ich wieder auf stabilen Füßen stehe, doch so haben wir uns beide das nicht vorgestellt. Seit 6 Monaten läuft es so, das ich sie bald nur noch in der Nacht sehe wenn sie schläft. Und manchmal auch am Wochenende.

Der Himmel wird immer dunkler und das Fenster wird spürbar kälter. Mein Kopf lehnt sich am Fenster an. Es ist ein schwerer Tag. Ich habe in den letzten Tagen schwer für unsere Beziehung gekämpft. Ich will sie wieder für mich gewinnen. Eine Frau kann viel Leid ertragen und wenn die sich einmal für den Abschied entscheidet, so sagt man, dann ist es für immer. Ich weiß nicht was ich noch tun soll. Ich liebe sie und hab zu spät gemerkt, was ich ihr angetan habe.

Draußen an meinem Fenster steht plötzlich meine Freundin. Der Himmel reißt schlagartig auf und die ersten Sonnenstrahlen kommen durch. Sie malt auf der nassen Fensterscheibe ein Herz. Sie ist zurück gekommen. Sie will mir nochmal eine Chance geben. Wir haben uns darauf geeinigt das ich etwas weniger arbeite und wir so mehr Zeit füreinander haben. Sie will mir dafür beim Abtragen der Schulden etwas helfen.

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen. Ich bin froh das sie wieder da ist. Wo findet man noch einen Menschen, welcher einfach nur glücklich ist, wenn man einander hat. Geld und Reichtum können mich nicht so glücklich machen wie eine gute und glückliche Beziehung mit meiner Sonne.

(Eine erfundene Geschichte von 2006)

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